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„Ich spiele in gewisser Weise eine Bad Segeberger Uraufführung“
Im Gespräch mit Heinrich Schafmeister
Wie groß ist Ihre Vorfreude auf den Sommer? Worauf freuen Sie sich am meisten?
Wenn ich richtig informiert bin, wurde meine Rolle des Sir John Raffley noch nie bei den Karl-May-Spielen dargeboten. Ich spiele also in gewisser Weise eine Bad Segeberger Uraufführung. Das macht mich stolz. Aber im Ernst: Ich freue mich auf meine neuen Kollegen, auf die Atmosphäre der Spiele in Bad Segeberg, auf das Publikum, ja, und auf Karl May, Winnetou und Old Shatterhand, eine Begegnung mit meiner frühen Jugend.
Was ging Ihnen durch den Kopf, als das Angebot aus Bad Segeberg kam?
Ein Scherz, den ich mir vor 45 Jahren als Schauspielschüler mit meinem Schauspielschuldirektor erlaubt hatte: Er zog uns gerne auf und entlarvte uns als Kulturbanausen, indem er berühmte Stellen der klassischen Theaterliteratur zitierte und fragte: „Woraus?“ Wir schauten uns doof an: „Keine Ahnung!“. – „Das solltet ihr aber wissen!“, triumphierte er und belehrte uns entweder mit Goethe, Schiller, Lessing oder Kleist – je nach dem. Einmal gab ich Kontra und tönte mit reichlich Pathos: „Aber wollen wir nicht von Dingen sprechen, die den Wein im Becher der Freude uns bitter schmecken lassen. Woraus?“ Er kam ins Schwitzen: „Goethe? Schiller? Nein, das wüsste ich – auch kein Lessing oder Kleist …“ – „Kleiner Tipp, ein sehr deutscher Klassiker!“, half ich ein wenig nach. „Jaja, das hör ich, aber woraus?“ Er musste passen. „Karl May: Winnetou I, das habe ich sogar auf Platte!“ Ich fand es ein wenig lustiger als er. Und jetzt darf ich in diesem allerdeutschesten Klassiker selber mitspielen. Das fehlte mir in meiner Vita.
Was verbindet Sie mit den Karl-May-Spielen?
Als Kind Karl-May-Geschichten zu Hause auf der Straße nachspielen – gut und schön. Aber eine Reise nach Bad Segeberg, um den „echten“ Winnetou und den „echten“ Old Shatterhand live erleben zu dürfen, dafür hat es für mich als Ruhrgebietsjunge leider nicht gereicht. Also verband mich mit den Karl-May-Spielen nur die kindliche, aber vergebliche Sehnsucht. Das wird sich jetzt zum Glück endlich ändern.
Wie bereiten Sie sich auf die Herausforderungen des Wilden Westens vor?
Eigentlich bereite ich mich vor wie immer. Ich studiere das Stück, ich studiere meine Rolle. Eine komische Rolle muss ernst gespielt werden. Aber eine besondere Herausforderung wird diesmal die schiere Größe der Arena sein, in der wir spielen. Also mache ich auf meine alten Tage ein wenig mehr Sport als sonst.
Was gefällt Ihnen an Ihrer Rolle besonders gut?
Wie gesagt, ich fühle mich geehrt, Sir John Raffley als Erster darbieten zu dürfen. Umso schöner, dass ich der Geschichte voller Spannung, Romanze und spektakulären Effekten mit meiner Figur auch eine Prise Skurrilität und Humor beisteuern kann.
Sie werden in einem Open-Air-Theater mit über 7.500 Sitzplätzen spielen. Wie steht’s mit Lampenfieber?
Mindestens in dem Maße, wie Sir John Raffley bei „Im Tal des Todes“ sein Abenteuer findet, empfinde ich es als Abenteuer, vor einem 7.500-köpfigen Publikum zu spielen. Für mich darf Lampenfieber generell bei keinem Auftritt fehlen – und ganz gewiss nicht in der Arena von Bad Segeberg.
Kennen Sie Karl Mays Abenteuer?
Ja und nein. Ehrlich gesagt, hatte ich als kleiner Junge nie die Geduld, die ausführlichen Karl-May‘schen Beschreibungen durchzuhalten, bevor es zur Sache ging. Das Buch flog wieder in die Ecke. Aber meine belesene Schwester konnte mir alles erzählen, was ich zum Spielen der Abenteuer draußen auf der Straße brauchte. Der Rest war Fantasie.
Was wünschen Sie sich für die Saison?
Wie meine Rolle – ein großes Abenteuer, ein vergnügungssüchtiges Publikum in einer ausverkauften Arena, viel Spaß mit meinen Kollegen, bloß kein Regen und natürlich, dass auch in dieser Saison unsere Karl-May-Geschichte gut ausgeht. (Er zwinkert.)
